… eine symbolische Welt um uns herum

Nun ist aber die soziale und kulturelle, kommunikativ konstruierte Welt, die Gegenstand jeder Kultur- und Kommunikationswissenschaft ist, eine Welt, die sich kontinuierlich und diskontinuierlich, aber jedenfalls ständig verändert (Berger/Luckmann 1980, Schütz 1971). Sie ist Produkt und Wirklichkeit der Menschen, die sich als symbolische Wesen über ihre kommunikativen Potentiale definieren. Die von ihnen konstituierte und symbolisch vermittelte Welt, in der sie als Spezies unentrinnbar leben, ist deshalb in ihrer Konstruiertheit eher fragil und versuchsweise angelegt, […]. Diese Welt besteht aus Symbolen und deren Bedeutungen, und konkrete, materielle Dinge spielen darin vor allem eine Rolle als Beispiele für Begriffe, die wir verwenden (Carey 1989), sie sind nichts, was den symbolisch vermittelten Charakter dieser Welt verändert.

Krotz, F., (2002), Medien als Ressource der Konstitution von Identität.

Rohstoff der Ökonomie

In dem Maße, wie sich die Ökonomie als immer mächtigerer Organisatorin der gesellschaftlichen Wirklichkeit durchsetzt, gehen die Bedeutung von Staat und Zivilgesellschaft, von Familie, Kirche, Ethnie, Moral, Ideologie und anderen zentralen Orientierungsmustern zurück, weil sie tendenziell Rohstoff der Ökonomie werden. Das bedeutet freilich auch, dass die Ökonomie sich die Formen kollektiver und jetzt auch individueller Kommunikation und der darin verwendeten Ausdrucksformen zu Eigen macht, was sich empirisch auch beobachten lässt (Krotz 2001b). Die Ökonomie zielt damit auf eine Verein nahmung der Identität der Menschen. Wenn es ihr gelingt, der Konstitution von persönlicher Identität nicht mehr nur Attribute zuzuliefern, sondern diese zu einem zentralen Teil menschlichen Handelns zu machen, entsteht eine neue Lage – beispielsweise, wenn der Name einer Marke zum Vornamen eines Kindes wird, wie es kürzlich durch die Presse ging.

Friedrich Krotz (2002) – Medien als Ressource der Konstitution von Identität. Eine konzeptionelle Klärung auf der Basis des Symbolischen Interaktionismus.

Rezeptionsforschung einerseits und Produktanalyse andererseits

Der Zusammenhang zwischen medialen Strukturen und ihren subjektkonstitutiven Wirkungen [kann] erst dann hinreichend geklärt werden, wenn es – mit Ruth Ayaß (1993, 33f) gesprochen – gelingt „die traditionelle Aufteillung in Rezeptionsforschung einerseits und Produktanalyse andererseits“ zu überwinden.

Dorothee Meer (2002): ›wie die da gerade stand‹ oder Normalisierung und Positionierung in und im Anschluss an Talkshows: Zur Funktion medialer Formen der Subjektivierung und Identitätsbildung. in: Medienidentitäten. Hepp, Thomas, Winter (Hrsg.). Köln: HvH Verlag: 244

bzw.

Ayaß Ruth (1993): Auf der Suche nach dem verlorenen Zuschauer. In: Medienrezeption als Aneignung. Methoden und Perspektiven qualitativer Medienforschung. Holly W, Püschel U (Eds); Opladen: Westdeutscher Verlag: 27-42.

Individualisierung unter der Bedingung der Marktabhängigkeit

Der Individualiserungsprozess ist dadurch gekennzeichnet, dass immer mehr Lebensbereiche entscheidungsoffen werden und damit soziale Bezüge sowie die eigene Identität zusehends selbst herzustellen sind. Sinngebung wird mehr und mehr zur Privatangelegenheit und Wahlentscheidung, die es dem Einzelnen zur Aufgabe macht, aus der Partizipation an verschiednen „single purpose communities“ eine subjektiv sinnenhafte, d.h. als kohärent und authentisch erlebte Collage zu fertigen (Hitzler 1998:82, Keupp et al 1999). An zentraler Bedeutung gewinnt dabei die Frage, wie sich vor dem Hintergrund einer voranschreitenden Individualisierung der Prozess der sozialen Reintegration unter der Bedingung der Marktabhängigkeit vollzieht. Identität wird nicht mehr automatisch mit der sozialen Herkunft mitgeliefert. Sowohl für individuelle als auch für kollektive Identitäten verschieben und multiplizieren sich daher die Bezugspunkte. Kulturelle Identitäten sind heute analog zur Dementierung und Pluralisierung sozialer Netzwerke eher als hybrid, ambivalent und unabgeschlossen zu denken (Hall, 1994).

Wenger C. (2002). „Ich bin ein Trekkie“ – Identitätsstiftung und Vergemeinschaftung in Fangemeinden am Beispiel der „Star-Trek“-Fans

bzw.

Hitzler, R. (1998). Posttraditionale Vergemeinschaftung: Über neue Formen der Sozabindung. In: Berliner Debatte Initial, S:82;

Keupp et al. (1999). Identitätskonstruktionen. Das Patchwork der Identitäten in der Spätmoderne. Reinbek b. Hamburg

Hall, S. (1994). Die Frage der kulturellen Identität. In: Hall, S. (Hrsg.): Rassismus und kulturelle Identität. Hamburg: S: 180-222

Keine Theorie ist national!

Dabei ist Kommunikationstheorie so wenig national wie irgendeine andere Theorie, national sind wissenschafts- und wissenssoziologisch begründbare Einflüsse auf die Theoriebildung und in der Folge Ausprägungen derselben.

Stefanie Averbeck (2008) – Über die Spezifika „nationaler Theoriediskurse“: Kommunikationswissenschaft in Frankreich
in
Carsten Winter · Andreas Hepp · Friedrich Krotz (Hrsg.).  (2008). Theorien der Kommunikations- und Medienwissenschaft. Grundlegende Diskussionen, Forschungsfelder und Theorieentwicklungen, 2008, Wiesbaden: Springen. S. 211

… So gehe es Tag für Tag

Es sei sehr wichtig, schreibt er darin, in einem Text von Anfang bis Ende einen fesselnden und soliden Rhythmus beizubehalten. Seine Romane sind deswegen ein bisschen wie Jazz. Auch sein Alltag ist wie Jazz. Er halte auch dort, schreibt er, einen soliden Rhythmus ein, stehe jeden Tag sehr früh auf, mache sich einen Kaffee und beginne zu schreiben, egal, ob er Lust dazu habe oder nicht. Jeden Tag schreibe er zweieinhalb Seiten.
Nach fünf oder sechs Stunden sei Schluss, auch wenn es gut läuft, höre er auf. Am Nachmittag absolviert er sein tägliches Lauftraining, selbst wenn er keine Lust habe, zwinge er sich dazu. So gehe es Tag für Tag. Das Wichtigste sei, schreibt er, nie aus dem Rhythmus zu kommen. Oft habe er dabei das Gefühl, ganz allein auf dem Boden eines einsamen Brunnens zu sitzen.

Ich Stecke in einem Traum – Über Murakami von Iris Radisch @ Die Zeit

http://www.zeit.de/2016/48/haruki-murakami-schriftsteller-japan