Rohstoff der Ökonomie

In dem Maße, wie sich die Ökonomie als immer mächtigerer Organisatorin der gesellschaftlichen Wirklichkeit durchsetzt, gehen die Bedeutung von Staat und Zivilgesellschaft, von Familie, Kirche, Ethnie, Moral, Ideologie und anderen zentralen Orientierungsmustern zurück, weil sie tendenziell Rohstoff der Ökonomie werden. Das bedeutet freilich auch, dass die Ökonomie sich die Formen kollektiver und jetzt auch individueller Kommunikation und der darin verwendeten Ausdrucksformen zu Eigen macht, was sich empirisch auch beobachten lässt (Krotz 2001b). Die Ökonomie zielt damit auf eine Verein nahmung der Identität der Menschen. Wenn es ihr gelingt, der Konstitution von persönlicher Identität nicht mehr nur Attribute zuzuliefern, sondern diese zu einem zentralen Teil menschlichen Handelns zu machen, entsteht eine neue Lage – beispielsweise, wenn der Name einer Marke zum Vornamen eines Kindes wird, wie es kürzlich durch die Presse ging.

Friedrich Krotz (2002) – Medien als Ressource der Konstitution von Identität. Eine konzeptionelle Klärung auf der Basis des Symbolischen Interaktionismus.

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